Mittwoch, 19.06.2019 11:26 Uhr

Prof. Rainer Surges leitet jetzt die Epileptologie am UKB

Verantwortlicher Autor: Universitätsklinikum Bonn (UKB) Bonn, 03.04.2019, 12:17 Uhr
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Bonn [ENA] Ein Spezialist für Gewitterstürme im Gehirn. Prof. Rainer Surges leitet jetzt die Epileptologie am Universitätsklinikum Bonn. Prof. Dr. Rainer Surges ist neuer Direktor der Klinik für Epileptologie am Universitätsklinikum Bonn. Der 44-jährige Nachfolger von Prof. Dr. Christian Elger will das Spektrum einer der größten universitären Kliniken für Epilepsie in Europa sowohl wissenschaftlich als auch klinisch

weiterentwickeln. Dabei setzt er unter anderem auf neue Angebote für Patienten nach ersten epileptischen Anfällen sowie für Menschen mit nicht-epileptischen, psychogenen Anfällen. In seiner Zeit als Leitender Oberarzt am Universitätsklinikum Bonn spezialisierte er sich auf die Diagnostik zur Epilepsiechirurgie, die auch besondere Möglichkeiten für die Bonner Hirnforschung bietet. Seine akademische Ausbildung führte Prof. Surges 2007 für zweieinhalb Jahre an das Institute of Neurology, Queen Square, University College London. Dort begann er unter anderem seine klinische Forschung, die den Grundstein für aktuelle Projekte zur Entwicklung mobiler Systeme zur Anfallserkennung legte.

Nach etwa zwei Jahren an der Uniklinik RWTH Aachen, wo er eine Sektion für Epileptologie aufbaute, kehrt der neue Klinikdirektor jetzt wieder nach Bonn zurück. Etwa 120 Mitarbeiter – darunter 15 Ärzte – betreuen rund 1.200 Patienten an der Klinik für Epileptologie des Universitätsklinikums Bonn jährlich stationär; hinzu kommen etwa 4.000 ambulante Patienten. Das sind in der Regel Menschen, die aufgrund einer schwer behandelbaren, chronischen Epilepsie Hilfe in Bonn suchen. „Wir wollen aber auch Betroffene schon nach den ersten epileptischen Anfällen sehen und ihnen ein Behandlungsangebot im frühen Stadium der Erkrankung machen“, sagt Prof. Surges.

Zudem brauchen die häufig jungen Menschen Beratung zu wichtigen Fragen wie Berufswahl, Kinderwunsch, Autofahren und verschiedenen Lebensführungs-Aspekten bei Epilepsie. Daher plant der neue Klinikdirektor für diese Patientengruppe eine neue Sprechstunde sowie auch für Menschen, die an nicht-epileptischen, psychogenen Anfällen leiden. „Oft werden die Betroffenen fälschlicherweise auf Epilepsie behandelt. Dies liegt unter anderem daran, dass strukturierte Programme zur Diagnose und Behandlung fehlen. Daher möchte ich mit den Kliniken für Psychiatrie und Psychosomatik an unserem Klinikum ein Versorgungsangebot auflegen, dass es so deutschlandweit noch nicht gibt“, sagt Prof. Surges.

- Epilepsiechirurgie ist sein klinisches Spezialgebiet - Auch will der neue Klinikdirektor zusammen mit den Kliniken für Neurochirurgie und Neuroradiologie das epilepsiechirurgische Behandlungsangebot am Universitätsklinikum Bonn weiter ausbauen. Derzeit lassen etwa 130 Betroffene pro Jahr an der Klinik für Epileptologie prüfen, ob die Epilepsie durch einen neurochirurgischen Eingriff geheilt werden kann. Künftig soll dieses Angebot auch für Betroffene mit Epilepsien durch komplexe Hirnaufbaustörungen offen sein. Damit Prof. Surges feststellen kann, in welchem Hirnbereich die epileptischen Anfälle ihren Ursprung haben, und wo gegebenenfalls der Neurochirurg im Gehirn operieren kann,

ist eine Anfallsaufzeichnung in der Video-EEG-Monitoring-Einheit notwendig – das Herzstück eines jeden Epilepsiezentrums. In der Klinik für Epileptologie können derzeit an zehn Plätzen durch Messung der elektrischen Hirnaktivität bei gleichzeitiger Video-Aufzeichnung unerlässliche Informationen über die Symptome der Anfälle und den Anfallsherd gewonnen werden. Die Monitoring-Einheit ist aber auch eine einzigartige Plattform für die Hirnforschung. Denn die während einer prächirurgischen Diagnostik gewonnen EEG-Daten werden in Bonn unter anderem zur Analyse kognitiver Leistungen und zur Gedächtnisforschung genutzt. „Meine Kollegen können so direkt am Gehirn arbeiten, und das geht nur an Orten wie diesem.

Es gibt weltweit nur wenige Standorte, an denen Kognitionsforschung dieser Art auf diesem Niveau betrieben wird“, sagt Prof. Surges, der die damit befassten und weltweit renommierten Arbeitsgruppen an seiner Klinik weiterhin unterstützen und fördern wird. - „Digitale Medizin ist in der Epileptologie angekommen“ - „Wir schätzen, dass die Patienten sich nur an rund die Hälfte ihrer Anfälle erinnern beziehungsweise in einem Anfallskalender dokumentieren. Die Angabe der Anfallshäufigkeit ist aber Grundlage der Behandlungsempfehlungen bei Epilepsien“, sagt Prof. Surges. Er ist überzeugt, dass künftig alltagstaugliche mobile Gesundheitstechnologien die Anfallsdokumentation verbessern können.

Daher erforscht er physiologische Biomarker wie Herzrate, elektrischer Hautwiderstand und Bewegungsmuster, die im epileptischen Anfall mit charakteristischen Veränderungen einhergehen. Solche Veränderungen, wie ein beschleunigter Puls, können mit tragbaren Minisensoren, sogenannte Wearables, gemessen und entsprechende Signale beispielsweise per Smartphone an eine webbasierte Plattform weitergeben werden. „Langfristig gesehen könnte mit mobilen Gesundheitstechnologien ein zuverlässiges Therapie-Monitoring erfolgen und sogar ein telemedizinisches Versorgungsangebot entstehen“, sagt Prof. Surges.

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Holzgreve freut sich als ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender über den Dienstantritt von Prof. Surges am 1. April: „Sein Vorgänger Prof. Elger hat die Epileptologie in Bonn zu einem der weltweit besten Zentren für Epileptologie ausgebaut, und sein Schüler Prof. Surges wird nun nach seiner Leitungstätigkeit am Universitätsklinikum Aachen diese führende Bonner Position in hervorragender Weise weiterentwickeln.” - Rückkehr auf den Venusberg-Campus Bonn -

Prof. Surges ist gerne wieder an seine Alma Mater zurückgekehrt, um die lange und erfolgreiche Geschichte der Epileptologie am Bonner Universitätsklinikum zum Wohle der Patienten fortzusetzen: „Zum einen treibt mich die wissenschaftliche Neugier, zum anderen habe ich den individuellen Menschen im Blick.“ So sei er an praktikablen Lösungen für Patienten interessiert, die ein Leben mit ihrer Erkrankung verbessern. „Auch hat uns der Rhein und die Umgebung gefehlt“, sagt der aus dem Ahrtal stammende Familienvater, der die knapp bemessene Freizeit am liebsten mit seiner Frau und seinen vier Kindern verbringt.

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